Von WoW und anderen Krankheiten…
06. Mai 2008Eigentlich soll es hier nur um die World of Warcraft gehen, aber der Titel passte einfach zu gut. Für diejenigen die mich nicht kennen muss ich zu meiner Person noch ein paar Worte erwähnen. Ich bin inzwischen 25 und habe zweieinhalb Jahre intensiv WoW gespielt. Zuerst als “Späteinsteiger” ein halbes Jahr nach Release, später dann als Raidleiter für die 40-Mann-Instanzen vor dem ersten Addon “Burning Crusade”. Kurz vor meinem Ausstieg aus WoW war ich dann noch Gildenleiter einer recht erfolgreichen Gilde.
Zu dem Spiel an sich bin ich über einen Freund gekommen. Damals hatte er bereits den Max-Level erreicht und hat mich irgendwann durch seine sehr mitreißende Schilderung des Spiels und dessen Möglichkeiten geködert. Der Anfang war gemacht. Eines Mittags bin ich dann zum örtlichen Media-Markt gefahren, habe das Spiel gekauft, installiert, eingeloggt und gleich vier Stunden “gezockt”.
Der Einstieg in WoW fällt extrem leicht, erst recht, wenn man wie ich eigentlich schon von Kindesbeinen an - angefangen beim Game-Boy - von Computerspielen fasziniert ist. Wer die Firma Blizzard kennt, wird wissen, dass alle Spiele aus diesem Hause einen leichten Einstieg in die jeweilige Welt und die Handhabung des Spiels bieten - so auch WoW - und extrem viel Spaß machen. Angefangen bei Warcraft: Orks and Humans über Diablo bis hin zu Starcraft bieten alle Blizzard-Spiele einen hohen Spaßfaktor und fesseln einen durch Ausgewogenheit, stetige Entwicklung und ein hohes Suchtpotenzial.
World of Warcraft ist aber anders. Zwar bieten die meisten Blizz-Spiele die Möglichkeit online mit anderen zu spielen, sind vom Prinzip her jedoch Single-Player-Games. WoW ist anders, man kann ausschließlich online spielen, mehr noch, an vielen Stellen ist man wirklich auf die Hilfe anderer Spieler angewiesen. Angefangen bei den ersten Elite-Quests (die meistens nur in einer Gruppe von zwei bis fünf Spielern zu bewältigen sind) über die ersten kleinen Dungeons (die, wenn man sie im entsprechenden Levelbereich spielt nur zu fünft zu meistern sind) bis hin zu den großen Raidinstanzen für 10 bzw. 40 Spieler (ab dem Addon auch 25 Spieler) kommt man kaum aus ohne den Kontakt zu anderen Spielern zu pflegen.
Genau da liegt das größte Suchtpotenzial von WoW. Jeder der das Spiel selbst intensiv genug gespielt hat, wird feststellen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt - meistens nach Erreichen des Max-Levels - Instanzen und Raids nur noch als Alibi fungieren um mit den Leuten gemeinsam Spaß zu haben, die man ähnlich wie echte Freunde allmählich ins Herz schließt. Oft geht man mit immer denselben Leuten auf Tour und erledigt Quests oder Instanzen, zunächst um seinen Charakter mit besseren Items auszustatten, irgendwann aber einfach als Zeitvertreib. Oft genug hab ich mich damals dabei ertappt einfach irgendwo in der bunten Welt herumzustehen und mit Bekannten zu chatten.
In meinem speziellen Fall wuchs über eine zunächst aufs Spiel beschränkte Freundschaft eine echte Freundschaft mit einigen privaten Treffen und letztendlich Liebe für eine Frau, die entweder nie so erwidert wurde wie ich sie empfand, oder einfach zu einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr erwidert wurde. Viele werden jetzt sagen, dass solche Online-Bekanntschaften niemals Hand und Fuß haben können und ich muss Euch recht geben. Im Nachhinein, aber auch vorher habe ich bei einigen Spielern dieses Phänomen miterlebt und immer wieder behauptet, dass man gar nicht so dumm sein kann, sich auf so etwas einzulassen. Genau bis zu dem Zeitpunkt an dem es mich erwischt hat. Gut, die Voraussetzungen waren bei mir ein wenig anders als bei den meisten, denn ich kannte die Person schließlich privat, im echten Leben. Langer Rede kurzer Sinn, es ist aus, schon lange. Eben genau diese tiefe Gefühlsbindung zu dieser Person und die damit verbundene Enttäuschung hat mich dazu bewegt den Schritt aus der World of Warcraft zu machen. Bin ich ehrlich zu mir selbst, so habe ich schon lange vorher darüber nachgedacht mit dem Spiel aufzuhören. Die Gründe sind zahlreich und teilweise gravierende Einschnitte in mein Privatleben, aber erst diese tiefe Enttäuschung brachte das Fass zum überlaufen.
Und jetzt, wo ich langsam wieder anfange über diese vergangene Liebe hinwegzukommen, ja richtig, ich fange gerade an, ich bin noch lange nicht damit durch, überlege ich ob ich nicht wieder einen Weg finde mein Privatleben nicht zu vernachlässigen, aber gleichzeitig, mit einem Teil meiner Freunde, die immer noch spielen, Zeit zu verbringen. ICQ, Skype, E-Mail, sogar das Engagement im gildeneigenen Forum, das ich immer noch administriere, bieten nicht den Kontakt, den man gerne hätte. Innerhalb der WoW kommt man kaum ohne den anderen aus, man spielt gemeinsam und redet über vieles, was nicht nur das Spiel betrifft. So haben sich bei mir einige recht innige Freundschaften entwickelt, die gerade etwas im Sande verlaufen, was ich wirklich schade finde.
Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Das Spiel ist in dem Maße, wie es von uns gespielt wurde eine echte Sucht und Leute die aussteigen sind einem zwar wichtig, aber alle Chatprogramme außerhalb von WoW ziehen Bandbreite und das ewige “Getabbe” zwischen Game und Desktop hindern das Spielerlebnis. Selbst habe ich diese Phase auch mitgemacht, als Stefan aufgehört hat zu spielen, ich hatte zwar ICQ laufen, habe mich aber oft tagelang nicht gemeldet, weil ich einfach mit dem Spiel beschäftigt war.
So steht für mich momentan die Frage im Raum wie weit das Spiel reduziert erlebt werden kann um nicht wieder in die Sucht abzurutschen, aber dennoch regelmäßigen Kontakt mit guten Freunden zu haben. Ich überlege das Spiel wieder zu spielen, allerdings mit dem Vorsatz die Onlinezeit stark zu reduzieren.
Zwei Fragen stellen sich mir momentan:
1.) “Kann ich dieses Spiel überhaupt noch spielen ohne immer wieder an sie denken zu müssen und mich damit selbst zu martern?”
2.) “Was macht ein Ex-Heroin-Junkie wenn er sich vornimmt wieder zu fixen, diesmal aber die Übersicht zu behalten und seine Sucht im Griff zu haben?”
Wahrscheinlich würde er wieder in längst vergessene Muster verfallen. Aber ist das bei einem Computerspiel zwangsweise auch so?
Darüber muss ich die nächsten Tage mal nachdenken, sehr gründlich.






Ich werde es mir zunächst nicht antun. Es gibt immer
timmynator | 09. Mai 2008 | 12:07Ich werde es mir zunächst nicht antun. Es gibt immer wieder Momente in denen ich an *sie* denke, ich will diese Momente durch WoW nicht multiplizieren, denn genau das wäre die Gefahr.
Die “alten Muster” denen ich erlegen bin sind vorbei und das ist das Wichtigste, so soll es bleiben.